Was mache ich hier nur?

Diese Frage habe ich mir extrem oft gestellt, in den letzten Tagen.


Ich habe schon jetzt wieder viel mehr Zeit in das Projekt Buch gesteckt, als gut für mich ist, denn diese Zeit fehlt mir für andere, streng genommen wichtigere Dinge.


Dennoch, manchmal ist es wie eine Sucht. Dabei rede ich nicht davon, so eine Art Flow zu erleben, wenn man sich richtig in seine Schreiberei vertieft und die Worte wortwörtlich wie von selbst aus einem heraus fließen. Sondern ich meine auch das Handwerkliche, mir macht es riesigen Spaß, seitdem ich meine zu wissen, wie es geht (vielleicht „noch“? ;-)). Tatsächlich habe ich bisher gedacht, man bräuchte „nur“ Talent und eine nette „Schreibe“, um ein gutes Buch zu verfassen. Inzwischen weiß ich jedoch, dass jeder Autor sich früher oder später hinsetzen, für einzelne Handlungsstränge Abläufe planen, Charakter-Plots miteinander in Einklang bringen und dabei sehr rational und ganz nüchtern vorgehen muss.


Konkret heißt das, ich habe mir ein Modell (das Dreiakt-Modell) genommen und in einer Excel-Liste Stück für Stück den gesamten Ablauf neu geplant, kombiniert und in eine Struktur gebracht. Dabei festgestellt, dass vieles von dem, was ich mir bisher ausgedacht habe, so nicht funktioniert. Tatsächlich sind höchstens Zwei-Drittel meiner bisherigen Geschichte noch verwertbar, es gibt einen Protagonisten weniger (nur noch drei), eine Nebenfigur ist ganz verschwunden. Jetzt fühle ich mich gewappnet und hoffe, dass die Lektorin nicht alle neuen Ansätze in der Luft zerreisst!


Wem das nun zu desillusionierend klingt, was den kreativen Prozess angeht, dem sei gesagt, dass meine Erkenntnisse weder neu noch einmalig sind: ich empfehle die Lektüre von Patrick Rothfuss' Blog: „Everyone hates their job sometimes“, indem er sehr deutlich darstellt, dass Schreiben bei aller Kreativität keine einfache Arbeit ist, und vor allem keine, die „jeder mal einfach so“ machen könnte. Patrick Rothfuss gilt heute (zu Recht!) mit „The Name of the Wind“ (dt. Der Name des Windes) als Nachwuchsstar der epischen Fantasy. Doch auch er wurde jahrelang von Verlagen abgewiesen und sein Potenzial blieb lange unbemerkt, bis ihm der Zufall half.


Wisst ihr, das gibt mir Hoffnung...
Es grüßt Euch
Tom

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