Seitenwechsel

Im Dezember, beim bereits erwähnten Agenturbrunch hat mich einer der Kollegen gefragt (Oder habe ich es ihm angeboten? Irgendwie war es ein bisschen von beidem), ob ich sein neues Buch testlesen möchte. Ich bin ein neugieriger Mensch und habe natürlich zugesagt, oder hätte jemand von Euch ernsthaft etwas anderes erwartet?!

Jetzt lese ist also und kann meine Testleser auf einmal sehr viel besser verstehen. Insofern ist es wieder eine wichtige Erfahrung mehr: Es ist eine seltsame Sache, ein Buch zu lesen, in dessen Geschichte man eingreifen kann. Plötzlich hat man als Leser Macht über Wohl und Wehe der Gestalten und der Handlung. Theoretisch genügt ein böses Wort und der weitere Handlungsverlauf sieht ganz anders aus.

Eigentlich hatte ich es mir eher so vorgestellt wie bei einer Rollenspielsitzung. Da bestimmen wir, also die Gruppe, doch auch über Handlung und Schicksal unserer Charaktere. Was soll ich sagen, es ist überhaupt nicht vergleichbar. Es mag sein, dass man im Spiel einen größeren Einfluss auf die Handlung hat (Ein Eindruck, den ich je nach Meister-Beharrlichkeit mal mehr, meistens weniger habe), aber bis auf den eigenen Rollenspielcharakter, den ich frei gestalten kann und der meiner alleinigen Obhut (und ein wenig Meisterwillkür) obliegt, habe ich keinen Einfluss auf weitere Handlungsträger.

Ich schweife ab. Das Buch ist, wie nicht anders zu erwarten, großartig und das „böse Wort“ bleibt besagte pure Theorie. Natürlich gibt es viel Raum für Anmerkungen oder alternative Vorschläge, aber man kann verdammt gut erkennen, wie fantastisch (in jeglicher Hinsicht!) es später einmal aussehen wird. Und es liest sich auch großartig. Soviel kann ich nun nach ungefähr der Hälfte sagen (und nein, ich übertreibe nicht).

Ich versuche, meine Kommentare nach dem Vorbild der beiden Testleser, die mich am intensivsten unterstützt haben, zu gestalten. Was mir dabei echt schwerfällt: Immer wieder gerate ich an Kleinigkeiten, die in meinem Buch der Redaktion zum Opfer gefallen sind und ich muss mir ein nörgeliges „Warum darfst du das schreiben und ich nicht?!“ verkneifen. Das zu beantworten ist eigentlich überflüssig: Anderer Verlag, anderes Sub-Genre, anderer Autor, andere Sprache. Wenn das nicht reicht, wird auch bei meinem Kollegen die Redaktion an der ein‘ oder anderen Stelle zuschlagen. Ich hoffe, dass dies nicht an zu vielen sprachlich ungewöhnlichen und gerade deshalb umso schöneren Passagen der Fall sein wird.

Beruhigend finde ich dagegen, dass in dem Manuskript tatsächlich Tippfehler und Wortauslassungen vorkommen. Mein Kollege schreibt 99,99%ig fehlerfreie Mails, da war mir meine definitiv viel höhere Fehlerrate schon manches Mal peinlich.

Testlesen ist mehr Arbeit, als alle meine Testleser zugeben wollten. Aber es macht auch größeren Spaß, als ich ihnen glauben wollte. Und daher gehe ich nun wieder lesen. Ihr müsst damit leider noch ein wenig warten, aber seid sicher, es lohnt sich.

Es grüßt Euch Euer Tom

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